Den Großteil meines indischen Aufenthaltes habe ich, wie aus meinen Erzählungen bisher nur wenig hervorgeht, vor, mit einer sinnvollen Tätigkeit zu verbringen. Ich möchte im Bereich der Software Entwicklungshilfe leisten. Da Indien den Sprung vom Entwicklungsland zum Schwellenland nicht zuletzt dieser Branche zu verdanken hat, bin ich doch sehr interessiert zu verfolgen, wie dank einer Wissenskraft meinergleichen aus dem ruralen Indien ein urbanes wird. Ich werde hierfür ein Praktikum bei einem kleinen, beschaulich lokalen Verein antreten, von welchem ich mir neben dem besseren Verständnis der Kultur auch verspreche, meine Interessen und meine weiteren Ziele näher kennenzulernen.
Die Zugfahrt von Thiruvananthapuram nach Bangalore dauert ganze 17h und durchbricht dabei auch die Sprachgrenze. Kannada spricht man in Karnataka, zu welchem Bangalore gehört, Malayalam verliert gänzlich an Bedeutung. Einen Platz im Zug zu buchen erwies sich übrigens nicht gerade als einfach, da sämtliche Züge generell immer lange im Voraus ausgebucht sind. Man hat aber wiederum häufig das Glück, dass Leute sich doch spontan umentscheiden und ihren Sitzplatz somit abgeben.
Ich nutze die Zugfahrt für kurze Telefonate, die ich mit meiner immernoch deutschen SIM-Karte führe. Da ich mir leider nur unzureichend bewusst war, dass der Preis pro Minute hierfür 4€ beträgt, bin ich umso überraschter eine Telefonrechnung von 180€ zu bekommen. Richtig schlafen kann ich im Zug nicht, ich träume, es würden sich fiese Würmer in meine Haut bohren und Eier legen. Ganz so abwegig ist der Gedanke im Nachhinein glaube ich gar nicht.
Die Ankunft ist früh morgens und ich kenne keine Sau. Ich schaffe es glücklicherweise, zur temporär eingerichteten Unterkunft manövriert zu werden und hole dort wurmlosen Schlaf nach. Mit Voranschreiten des Tages bemerke ich, dass ich immer noch keine Sau kenne und springe deshalb voll ins Leben. Leider scheint das echte Bangalore weit entfernt und meine Aussicht auf große Firmengebäude beschränkt. Ich erkunde meinen Block und sehe mich aufgrund der allgemein großen Distanzen vor eine echte Herausforderung gestellt.
Ich laufe geschätzte vier Kilometer, in welchen sich weder Landschaft noch Kulisse zu verändern scheinen. Autos, Hitze und Hunde, mehr nicht. Soll ich eine Rikscha nehmen? Wie soll ich sagen, wohin ich will? Wohin will ich überhaupt, ich kenne doch gar nichts.
Mittwoch, 20. Januar 2010
Cricket?
Bevor ich die bisher längste Zugfahrt meines Lebens antreten werde, sehe ich am zugehörigen Abfahrbahnhof ein kleines Spektakel. Das Spektakel scheint besonders spektakulär zu sein, denn es haben sich immerhin eine Menge Menschen versammelt, um dem Spektakel beizuwohnen. Besagtes besteht - bei genauerer Betrachtung - lediglich aus einem kleinen Fernsehapparat, in welchem ein Cricket-Spiel übertragen wird.

Cricket, so habe ich bereits während meiner kulturellen Vorbildung gelernt, ist eines der tonangebenden Worte, die mit dem modernen Indien assoziiert werden. Leider bin ich den Regeln des Spiels nicht mächtig und kann daher ein Mitfiebern nur vortäuschen. Aktuell ist Cricket in meinem Kopf gleich neben Baseball abgelegt unter "langatmig, viele Menschen, wenig Action".
Ich unterziehe mich einer ausgiebigeren Betrachtung des gezeigten Spiels und versuche mit meinen Vorurteilen hausieren zu gehen oder mich zumindest von der Daseinsberechtigung dieses Hypes überzeugen zu lassen. Da ich leider scheitere, fehlt dieser Geschichte stellvertretend eine Pointe.
Cricket, so habe ich bereits während meiner kulturellen Vorbildung gelernt, ist eines der tonangebenden Worte, die mit dem modernen Indien assoziiert werden. Leider bin ich den Regeln des Spiels nicht mächtig und kann daher ein Mitfiebern nur vortäuschen. Aktuell ist Cricket in meinem Kopf gleich neben Baseball abgelegt unter "langatmig, viele Menschen, wenig Action".
Ich unterziehe mich einer ausgiebigeren Betrachtung des gezeigten Spiels und versuche mit meinen Vorurteilen hausieren zu gehen oder mich zumindest von der Daseinsberechtigung dieses Hypes überzeugen zu lassen. Da ich leider scheitere, fehlt dieser Geschichte stellvertretend eine Pointe.
Dienstag, 19. Januar 2010
Bye Bye Kerala
Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Leider trifft dies auch auf meinen hier bisher doch eher touristisch ausgerichteten Lebensstil zu. Ich bin gespannt, was als nächstes kommt, habe aber gleichzeitig schon ein paar Tränen zum Abschied in die dafür vorgesehenen Drüsen geladen. Die Gastfreundschaft, die mir in Indien bisher entgegengebracht wurde, ist wohl die herzlichste, die ich je erfahren habe.
Man ist interessiert, wie es bei mir in Deutschland so aussieht; "Do you also have that in Germany?" habe ich auch bei dem allzu Exotischsten allzu oft gehört, doch meist musste ich verneinen. Die Kulturen sind von Grund auf verschieden, dies weiß der treue Leser spätestens seit den Kapiteln Meals & Manners sowie Marriage. Ich werfe spaßeshalber noch meinen Wintermantel mitsamt Schal um und versuche damit an die Kälte zu erinnern, vor der ich geflohen bin und die in der Heimat aktuell ihren Höhepunkt erreicht haben dürfte.
Mein Gastgeschenk, Schokolade, Marzipan und Gummibären, lösen auf der anderen Seite wohlverdiente Begeisterung aus, auch wenn die Schokolade dem Klima nicht ganz gewachsen zu sein scheint und ich mittlerweile herausgefunden habe, dass die Hälfte der Familie unter Diabetes leidet.
Auch ich bekomme ein Geschenk zum Abschied, ein Dhoti, welches mich zumindest äußerlich der indischen Kultur noch einmal ein großes Stück näher bringt. Ich bin gerührt.

Thank you so much Mr. A and your family for having me with you, caring so much and teaching me how to eat with my hands. I know I was not the easiest case in that. These may have been the most exciting days in my life so far.
Man ist interessiert, wie es bei mir in Deutschland so aussieht; "Do you also have that in Germany?" habe ich auch bei dem allzu Exotischsten allzu oft gehört, doch meist musste ich verneinen. Die Kulturen sind von Grund auf verschieden, dies weiß der treue Leser spätestens seit den Kapiteln Meals & Manners sowie Marriage. Ich werfe spaßeshalber noch meinen Wintermantel mitsamt Schal um und versuche damit an die Kälte zu erinnern, vor der ich geflohen bin und die in der Heimat aktuell ihren Höhepunkt erreicht haben dürfte.
Mein Gastgeschenk, Schokolade, Marzipan und Gummibären, lösen auf der anderen Seite wohlverdiente Begeisterung aus, auch wenn die Schokolade dem Klima nicht ganz gewachsen zu sein scheint und ich mittlerweile herausgefunden habe, dass die Hälfte der Familie unter Diabetes leidet.
Auch ich bekomme ein Geschenk zum Abschied, ein Dhoti, welches mich zumindest äußerlich der indischen Kultur noch einmal ein großes Stück näher bringt. Ich bin gerührt.

Thank you so much Mr. A and your family for having me with you, caring so much and teaching me how to eat with my hands. I know I was not the easiest case in that. These may have been the most exciting days in my life so far.
Sonntag, 17. Januar 2010
The Knights Of Coconuts
Seit geraumer Zeit, genauer gesagt, seit dem Gespräch mit einem fremden Mädchen in der S-Bahn (da mir in Indien bisher noch keine S-Bahn über den Weg gefahren ist, gehe ich stillschweigend von der Annahme aus, dass dies noch vor meiner Abreise stattgefunden haben muss) weiß ich, dass Kokosnüsse ein ominöses Doppelleben führen. Mit dem Begriff Kokosnuss dürften die meisten Nicht-Tropler wohl eine mittelgroß braun faserige Frucht assoziieren. Das stimmt natürlich voll und ganz, auch meine Vorstellung war auf diese Ansicht fixiert.
Verfolgt man den Weg einer Kokosnuss aber zurück bis in ihre Unreife, so ergibt sich ein völlig anderes Bild. Kokosnüsse im frühen Stadium sind größer, grüner und saftiger als wie man sie gewohnt zu sein scheint. Solche bekommt man in Kerala an jeder Straßenecke; wenn man noch etwas genauer hinsieht, sogar fast an jedem Baum. Auch ich musste mir erklären lassen, was man mit so einer Kokosnuss überhaupt anfangen kann, sofern man nicht nur ausschließlich darauf abzielt, den Reifeprozess frühzeitig zu beenden.

Zunächst lässt man sich von fachkräftigem Personal mit Spezialwerkzeug die Oberfläche der Kokosnuss an einer Stelle leicht aufschlagen, um dort eine Trinköffnung integrieren zu können. Ich habe mir daraufhin immer einen Strohhalm geben lassen, der mich die Kokosnuss bequem mit der Trinköffnung nach oben halten lässt. Da ich bisher gänzlich darauf verzichte, meine körperlichen Reize in der Öffentlichkeit auszuspielen, verzichtete ich an dieser Stelle auch immer darauf, die eine Coca-Cola-Werbung zu imitieren, bei welcher ein verschwitzter Mann sich aus Erfrischungsgründen braun klebrige Cola die nackte Brust hinab fließen lässt. Diesen Erfrischungsmoment möchte ich aber in meinen eigenen vier Wänden zumindest einmal erlebt haben.
Ist die Kokosmilch aufgetrunken, so soll ein weiterer Schritt zwischen Konsument und Kokosnuss stattfinden. Diese wird wieder dem fachkräftigen Personal übergeben, welches die Kokosnuss nun entzwei schlägt. Ein Routineeingriff, der Konsument sollte dabei keinen Schaden nehmen. Mit einem ebenfalls der Kokosnuss enstammenden Teilstück wird ein löffelähnliches Besteck improvisiert, welches dazu dient, das Fleisch auszuschaben. Vegetarier können diesen Schritt getrost überspringen.

Auch wenn die Begegnung Mensch - Frucht hier zunächst endet, können die anfallenden Abfälle durchaus noch weiter verwendet werden. Überhaupt lässt sich die ganze Palme recht vielseitig verwerten. So werden die Blätter verflochten, während der Stamm hin und wieder dem Hausbau zu Gute kommt. Nicht zu vergessen ist natürlich auch das Pferdegetrampel, das sich mit den leeren Schalen imitieren lässt.
Verfolgt man den Weg einer Kokosnuss aber zurück bis in ihre Unreife, so ergibt sich ein völlig anderes Bild. Kokosnüsse im frühen Stadium sind größer, grüner und saftiger als wie man sie gewohnt zu sein scheint. Solche bekommt man in Kerala an jeder Straßenecke; wenn man noch etwas genauer hinsieht, sogar fast an jedem Baum. Auch ich musste mir erklären lassen, was man mit so einer Kokosnuss überhaupt anfangen kann, sofern man nicht nur ausschließlich darauf abzielt, den Reifeprozess frühzeitig zu beenden.

Zunächst lässt man sich von fachkräftigem Personal mit Spezialwerkzeug die Oberfläche der Kokosnuss an einer Stelle leicht aufschlagen, um dort eine Trinköffnung integrieren zu können. Ich habe mir daraufhin immer einen Strohhalm geben lassen, der mich die Kokosnuss bequem mit der Trinköffnung nach oben halten lässt. Da ich bisher gänzlich darauf verzichte, meine körperlichen Reize in der Öffentlichkeit auszuspielen, verzichtete ich an dieser Stelle auch immer darauf, die eine Coca-Cola-Werbung zu imitieren, bei welcher ein verschwitzter Mann sich aus Erfrischungsgründen braun klebrige Cola die nackte Brust hinab fließen lässt. Diesen Erfrischungsmoment möchte ich aber in meinen eigenen vier Wänden zumindest einmal erlebt haben.
Ist die Kokosmilch aufgetrunken, so soll ein weiterer Schritt zwischen Konsument und Kokosnuss stattfinden. Diese wird wieder dem fachkräftigen Personal übergeben, welches die Kokosnuss nun entzwei schlägt. Ein Routineeingriff, der Konsument sollte dabei keinen Schaden nehmen. Mit einem ebenfalls der Kokosnuss enstammenden Teilstück wird ein löffelähnliches Besteck improvisiert, welches dazu dient, das Fleisch auszuschaben. Vegetarier können diesen Schritt getrost überspringen.

Auch wenn die Begegnung Mensch - Frucht hier zunächst endet, können die anfallenden Abfälle durchaus noch weiter verwendet werden. Überhaupt lässt sich die ganze Palme recht vielseitig verwerten. So werden die Blätter verflochten, während der Stamm hin und wieder dem Hausbau zu Gute kommt. Nicht zu vergessen ist natürlich auch das Pferdegetrampel, das sich mit den leeren Schalen imitieren lässt.
Samstag, 16. Januar 2010
Ayurveda
Die ayurvedische Tradition entstammt dem Norden Indiens, findet dort heute aber nur noch wenig Zulauf. Kerala dagegen ist für diesen Markt geradezu eine Hochburg. Da ich schonmal dort bin, möchte ich mir die Chance natürlich nicht entgehen lassen, mich einer solchen Behandlung zu unterziehen. Anbieter gibt es viele, bei der Auswahl sollte man auf Tradition vs. Kommerz achten. Wir entscheiden uns für ein abgelegenes Resort irgendwo inmitten des Dschungels und buchen ein Tagesprogramm.

Dort angekommen betrachten wir uns zielgruppentechnisch nicht als primär, die anderen Heilsuchenden sind weißer, älter und weiblicher als wir. Ab diesem Zeitpunkt werden wir getrennt und getrennt behandelt. Mein Meister ist jünger als ich und bittet mich gleich förmlich, die Hüllen fallen zu lassen. Bis auf das kleine Bisschen Schlüpfer um meine Hüfte ist mein Körper also voll zugänglich. Doch auch dieser Stofffetzen soll mir verwehrt sein. Ich hätte zumindest auf ein für Kerala übliches Bananenblatt (Anmerkung des Erzählers: auf solchen wird traditionell das Essen serviert) gehofft.
Das Treatment beginnt mit mittelstarken Schlägen - gegen meinen Kopf. Ich fühle mich ab diesem Zeitpunkt bereits leicht desorientiert, versuche aber alles Folgende zu genießen. Meister sagt, ich hätte mit Haarausfall zu rechnen, was ich unter Zuhilfenahme meines Gencodes leider schon vor langer Zeit selbst entschlüsselt habe. Vielleicht hilft das Kopfschlagen ja was dagegen.
Programmpunkt Nummer 2 findet auf dem Boden statt. Ich lege mich bäuchlings und der, dem ich mich anvertraut habe, bearbeitet mit seinen Füßen (die durch sein Körpergewicht belastet werden) meine Wirbelsäule. Da ich bereits professionelle Erfahrung in Puncto Massieren im Rahmen meiner Ausbildung gesammelt habe, weiß ich, dass die Wirbelsäule absolut tabu ist, sofern man nicht ganz genau sein Handwerk versteht. Sehr zu meiner Verwirrung sagt das mithilfe von Öl auf mir gleitende Wesen: "Your body is so hot!" Ich denke kurz nach und erwidere "I guess that's because it's so warm outside..."
Es folgt klassisches Massieren, klassisches Kneten mit den Händen. Dabei wird keine Körperregion ausgelassen. Meister beginnt parallel mit Smalltalk und hat auch neben den normalen Fragen nach Heirat und Gehalt keine Scheu vor Geschäftlichem. So will er doch ganz genau wissen, mit welcher Idee ich vorhabe, die Welt zu revolutionieren. Ich werfe ihm ein paar tieftechnische Vokabeln vor die Füße, die er anstandslos frisst. Seine Pläne seien irgendwann den großen Sprung nach Deutschland zu schaffen, um dort mit seiner Profession ein Vielfaches zu verdienen. Ich habe leider keine Ahnung, inwiefern dieses Vorhaben realistisch erscheint.
Abschließend steht eine wieder eher ungewöhnliche, für Ayurveda aber urtypische Behandlung an: Während der Behandelte auf dem Rücken liegt, wird ihm für lange Zeit Öl in verschiedenen Bahnen auf das Gesicht getröpfelt. Wenn mich nicht alles täuscht, gibt es paradoxerweise eine Foltermethode, die nach einem ähnlichen Prinzip arbeitet. Gefoltert fühle ich mich aber keineswegs, ich bin sogar so entspannt, dass ich dabei einnicke. Schade, dass ich geweckt werde als das Öl alle ist und damit auch meine erste Therapie zu Ende geht.
Ich fühle mich daraufhin leer, möglicherweise so als ob mir sämtliche Belastungen entsagt wurden. Auch an meinem Freund geht das Treatment nicht spurlos vorbei, er schimmert in natürlichem grün.

Dort angekommen betrachten wir uns zielgruppentechnisch nicht als primär, die anderen Heilsuchenden sind weißer, älter und weiblicher als wir. Ab diesem Zeitpunkt werden wir getrennt und getrennt behandelt. Mein Meister ist jünger als ich und bittet mich gleich förmlich, die Hüllen fallen zu lassen. Bis auf das kleine Bisschen Schlüpfer um meine Hüfte ist mein Körper also voll zugänglich. Doch auch dieser Stofffetzen soll mir verwehrt sein. Ich hätte zumindest auf ein für Kerala übliches Bananenblatt (Anmerkung des Erzählers: auf solchen wird traditionell das Essen serviert) gehofft.
Das Treatment beginnt mit mittelstarken Schlägen - gegen meinen Kopf. Ich fühle mich ab diesem Zeitpunkt bereits leicht desorientiert, versuche aber alles Folgende zu genießen. Meister sagt, ich hätte mit Haarausfall zu rechnen, was ich unter Zuhilfenahme meines Gencodes leider schon vor langer Zeit selbst entschlüsselt habe. Vielleicht hilft das Kopfschlagen ja was dagegen.
Programmpunkt Nummer 2 findet auf dem Boden statt. Ich lege mich bäuchlings und der, dem ich mich anvertraut habe, bearbeitet mit seinen Füßen (die durch sein Körpergewicht belastet werden) meine Wirbelsäule. Da ich bereits professionelle Erfahrung in Puncto Massieren im Rahmen meiner Ausbildung gesammelt habe, weiß ich, dass die Wirbelsäule absolut tabu ist, sofern man nicht ganz genau sein Handwerk versteht. Sehr zu meiner Verwirrung sagt das mithilfe von Öl auf mir gleitende Wesen: "Your body is so hot!" Ich denke kurz nach und erwidere "I guess that's because it's so warm outside..."
Es folgt klassisches Massieren, klassisches Kneten mit den Händen. Dabei wird keine Körperregion ausgelassen. Meister beginnt parallel mit Smalltalk und hat auch neben den normalen Fragen nach Heirat und Gehalt keine Scheu vor Geschäftlichem. So will er doch ganz genau wissen, mit welcher Idee ich vorhabe, die Welt zu revolutionieren. Ich werfe ihm ein paar tieftechnische Vokabeln vor die Füße, die er anstandslos frisst. Seine Pläne seien irgendwann den großen Sprung nach Deutschland zu schaffen, um dort mit seiner Profession ein Vielfaches zu verdienen. Ich habe leider keine Ahnung, inwiefern dieses Vorhaben realistisch erscheint.
Abschließend steht eine wieder eher ungewöhnliche, für Ayurveda aber urtypische Behandlung an: Während der Behandelte auf dem Rücken liegt, wird ihm für lange Zeit Öl in verschiedenen Bahnen auf das Gesicht getröpfelt. Wenn mich nicht alles täuscht, gibt es paradoxerweise eine Foltermethode, die nach einem ähnlichen Prinzip arbeitet. Gefoltert fühle ich mich aber keineswegs, ich bin sogar so entspannt, dass ich dabei einnicke. Schade, dass ich geweckt werde als das Öl alle ist und damit auch meine erste Therapie zu Ende geht.
Ich fühle mich daraufhin leer, möglicherweise so als ob mir sämtliche Belastungen entsagt wurden. Auch an meinem Freund geht das Treatment nicht spurlos vorbei, er schimmert in natürlichem grün.
Dark was the night
Fortune Telling
Dass Glaube und Aberglaube nicht all zu weit voneinander entfernt liegen und die Grenzen dazwischen meistens fließend sind, sieht man in Indien hin und wieder überdeutlich. Am Strand von Kanyakumari treffe ich auf eine besonders interessante Interpretation des Schicksals. Auf dem Boden sitzen weise Männer, die die Zukunft von neugierigen Kunden voraussagen wollen. Davon gibt es reichlich viele, dennoch sind fast alle "besetzt" solange ich dort bin.
Gemeinsam ist den Pseudo-Gurus dabei, dass sie neben sich einen seiner Flugkraft entmächtigten Papagei aufgebaut haben, der quasi als Orakel funktionieren soll. Dem Papagei wird hierfür ein Stapel voller Tarot-Karten (zumindest schimpfe ich diese so) vorgelegt, von denen er nach und nach mit seinem Schnabel abhebt. Karte für Karte. Nachdem die "richtige" Karte oben zu liegen scheint, wird diese mit einem doppelten Schnabelzeigen bestätigt.

Ich sehe mir das Spektakel ein paar mal an und bin ob der hellsehenden Fähigkeiten der Papageien nahezu begeistert. Leider werde ich wohl nie erfahren, ob die Zukunft der interessierten Kunden tatsächlich so aussehen wird oder ob man ihnen nicht aufgrund ihrer Neugier vorwerfen könnte, die Zukunft zu ihren Gunsten manipuliert zu haben.
Gemeinsam ist den Pseudo-Gurus dabei, dass sie neben sich einen seiner Flugkraft entmächtigten Papagei aufgebaut haben, der quasi als Orakel funktionieren soll. Dem Papagei wird hierfür ein Stapel voller Tarot-Karten (zumindest schimpfe ich diese so) vorgelegt, von denen er nach und nach mit seinem Schnabel abhebt. Karte für Karte. Nachdem die "richtige" Karte oben zu liegen scheint, wird diese mit einem doppelten Schnabelzeigen bestätigt.

Ich sehe mir das Spektakel ein paar mal an und bin ob der hellsehenden Fähigkeiten der Papageien nahezu begeistert. Leider werde ich wohl nie erfahren, ob die Zukunft der interessierten Kunden tatsächlich so aussehen wird oder ob man ihnen nicht aufgrund ihrer Neugier vorwerfen könnte, die Zukunft zu ihren Gunsten manipuliert zu haben.
Freitag, 15. Januar 2010
Cats & Dogs
Selbst wenn die einzige Katze, die mir in Indien bisher begegnet ist, recht regungslos auf einer Hauptstraße lag und ihre besten Teile den Raben zur Verfügung stellte, sind doch zumindest die Hunde kaum mehr aus meinen Eindrücken wegzudenken. Sie schleichen umher, alleine oder in Gruppen, und scheinen nicht nur Gründe für ihr Dasein zu suchen, sondern auch Nahrung zum Überleben. In der lokalen Nahrungskette scheint ihr Platz aber scheinbar nicht sonderlich etabliert zu sein, sodass für sie bestenfalls Reste oder andernfalls gänzlich nur Müll zu fressen übrig bleibt. Dass das nicht unbedingt der gesündeste Lebensstil ist, sieht man ihnen regelrecht an.
Der erste Hund, den ich sah, schien in meinem Kopf noch auf sein Herrchen zu warten, spätestens der dritte überzeugte mich in der Tatsache, dass Hunde hier eine andere Rolle spielen als Haustier. Ich bin ein Bisschen beängstigt und weiß noch nicht recht mit dem Thema umzugehen. Sobald ein Hund entgegenläuft oder einfach nur des Weges liegt, versuche ich zumindest eine weitere Person zwischen Hund und mir zu platzieren. Dies lenkt die Lust aufs Jagen erst in zweiter Linie auf mich.
Ich höre die Theorie, dass die staatlich geförderte Geburtenkontrolle, welche die menschliche Bevölkerungsrate im Zaum halten und vor weiterem Exponentiellem zu bewahren versucht, einen Nebeneffekt produziert. Da Hunde in diesem Programm nicht berücksichtigt und davon gänzlich unbetroffen sind, liegt die Vermutung der Dog-Invasion nahe. Die Nahrungszustände für noch mehr Hunde wird noch schlechter und es sollte nur eine Frage der Zeit darstellen, bis der Mensch zur primären Nahrung der Hunde wird.

Der erste Hund, den ich sah, schien in meinem Kopf noch auf sein Herrchen zu warten, spätestens der dritte überzeugte mich in der Tatsache, dass Hunde hier eine andere Rolle spielen als Haustier. Ich bin ein Bisschen beängstigt und weiß noch nicht recht mit dem Thema umzugehen. Sobald ein Hund entgegenläuft oder einfach nur des Weges liegt, versuche ich zumindest eine weitere Person zwischen Hund und mir zu platzieren. Dies lenkt die Lust aufs Jagen erst in zweiter Linie auf mich.
Ich höre die Theorie, dass die staatlich geförderte Geburtenkontrolle, welche die menschliche Bevölkerungsrate im Zaum halten und vor weiterem Exponentiellem zu bewahren versucht, einen Nebeneffekt produziert. Da Hunde in diesem Programm nicht berücksichtigt und davon gänzlich unbetroffen sind, liegt die Vermutung der Dog-Invasion nahe. Die Nahrungszustände für noch mehr Hunde wird noch schlechter und es sollte nur eine Frage der Zeit darstellen, bis der Mensch zur primären Nahrung der Hunde wird.
Sanitation
Die hygienischen Verhältnisse in Indien lassen sich vereinfacht folgendermaßen zusammenfassen: Beschissen wäre noch geprahlt. Es erfordert teilweise schon einiges an Mut, sich dieser Probe für das Immunsystem zu stellen.
Geputzt wird generell nicht, das Wort "Vacuum Cleaner" scheint allgemein unbekannt, Putzutensilien abseits des einfachen Besens habe ich noch in keinem Haushalt vorgefunden. Das Geschirr wird kurz unter verkeimtes Wasser gehalten bevor es anderen Gästen serviert wird. Gegipfelt wird all dies in der Tatsache, dass mit den nackten Fingern gegessen wird, die aus Ermangelung an Seife bestenfalls auch in verkeimtem Wasser abgespült werden können.
Ich frage mich, warum die Fernbedienung für den Fernseher in eine Plastiktüte eingepackt ist. Die Antwort ist simpel, wenn auch ungewohnt: damit sie nicht dreckig werden kann. Mit meinem neu erlangten Wissen deute ich so auch das Vorhaben, die Sitze im Auto in Plastik einzuwickeln.
Mülltrennung existiert nicht, es gibt noch nicht mal eine Möglichkeit, Müll überhaupt irgendwie zu verwerten (was wohl auch eine Organisation wie Müllabfuhr voraussetzen würde). Müll selbst gibt es allerdings genug und überall. Entweder werden die Abfälle also auf offener Straße verbrannt oder aber es wird eine heilige Kuh auf die Erde geschickt, die den Müll einfach verschwinden lässt.

Für den Westler ebenfalls unbequem dürfte sich im wahrsten Sinne des Wortes der Gang zur Toilette gestalten. Die Maus hat mich für das Thema glücklicherweise schon vorsensibilisiert, überfordert bin ich in meinem ersten Real-Time-Scenario aber zunächst dennoch. Nachdem ein Restaurant sich für mich besonders durch eine Instant-Verdauung auszuzeichnen scheint, muss ich zwangsläufig von den sanitären Einrichtungen Gebrauch machen. Erst nachdem ich vor vollendeter Tatsache stehe, setze ich mich mit dem Gedanken an das Wasser auseinander. Ich probiere es, nehme einen kräftigen Schluck und spiele damit in erster Linie meiner Hose zu. Nach dem zweiten eher kontraproduktiven Versuch gebe ich auf und schleiche mich zurück ins Restaurant, um von dort unbemerkt Servietten zu stehlen.
Geputzt wird generell nicht, das Wort "Vacuum Cleaner" scheint allgemein unbekannt, Putzutensilien abseits des einfachen Besens habe ich noch in keinem Haushalt vorgefunden. Das Geschirr wird kurz unter verkeimtes Wasser gehalten bevor es anderen Gästen serviert wird. Gegipfelt wird all dies in der Tatsache, dass mit den nackten Fingern gegessen wird, die aus Ermangelung an Seife bestenfalls auch in verkeimtem Wasser abgespült werden können.
Ich frage mich, warum die Fernbedienung für den Fernseher in eine Plastiktüte eingepackt ist. Die Antwort ist simpel, wenn auch ungewohnt: damit sie nicht dreckig werden kann. Mit meinem neu erlangten Wissen deute ich so auch das Vorhaben, die Sitze im Auto in Plastik einzuwickeln.
Mülltrennung existiert nicht, es gibt noch nicht mal eine Möglichkeit, Müll überhaupt irgendwie zu verwerten (was wohl auch eine Organisation wie Müllabfuhr voraussetzen würde). Müll selbst gibt es allerdings genug und überall. Entweder werden die Abfälle also auf offener Straße verbrannt oder aber es wird eine heilige Kuh auf die Erde geschickt, die den Müll einfach verschwinden lässt.
Für den Westler ebenfalls unbequem dürfte sich im wahrsten Sinne des Wortes der Gang zur Toilette gestalten. Die Maus hat mich für das Thema glücklicherweise schon vorsensibilisiert, überfordert bin ich in meinem ersten Real-Time-Scenario aber zunächst dennoch. Nachdem ein Restaurant sich für mich besonders durch eine Instant-Verdauung auszuzeichnen scheint, muss ich zwangsläufig von den sanitären Einrichtungen Gebrauch machen. Erst nachdem ich vor vollendeter Tatsache stehe, setze ich mich mit dem Gedanken an das Wasser auseinander. Ich probiere es, nehme einen kräftigen Schluck und spiele damit in erster Linie meiner Hose zu. Nach dem zweiten eher kontraproduktiven Versuch gebe ich auf und schleiche mich zurück ins Restaurant, um von dort unbemerkt Servietten zu stehlen.
Further South
Nachdem Tag 5 mit Besorgungen und anderen Tätigkeiten im organisatorischen Bereich verbracht wurde, möchte ich einen kleinen Zeitsprung direkt zum 6. Tag meines Abenteuers wagen. Diesen widmen wir einem Ausflug, eine Busreise in den benachbarten Bundesstaat Tamil Nadu, um von diesem zumindest im selektiven Schnelldurchlauf eine konkrete Vorstellung zu entwickeln.
In Tamil Nadu sehe ich mich auf Anhieb wesentlich mehr mit Armut und sozialen Gegensätzen konfrontiert als im auf Tourismus ausgerichteten Kerala. Grob geschätzt existiert im Durchschnitt ein allgemeiner Gewichtsunterschied von an die 10kg, wöge man die Einwohner beider Bundesstaaten. Die aus Kerala bekannte, unübertreffliche Alphabetisierungsrate von nahezu 100% spielt in einer anderen Liga als die hier vorzufindende. Dafür gibt es hier umso mehr Bettler, die um die Aufmerksamkeit der Touristen kämpfen. Einige von ihnen wollen Luftballons verkaufen, andere hoffen schlichtweg auf Mitleid, wenn sie ihre stark verkrüppelten Körperteile zur Schau stellen. Ich höre, dass einige Familien an ihren Kindern im Glauben an größere Chancen auf Bettelerfolge diesbezüglich sogar selbst Hand anlegen.
Der erste Halt mit Ausstieg (es gibt unter Berücksichtigung der chaotischen Verkehrsbedingungen in Indien zahlreiches Halten ohne Aussteigen) dient der Besichtigung eines Tempels in Thuckalay, meiner ersten. Hierfür ist das Ablegen der Schuhe ebenso unabdingbar wie das Freimachen des Oberkörpers. Letzteres gilt selbstverständlich nur für den männlichen Part der Gläubiger. Innen darf ich mich nicht ganz frei bewegen, da die sogenannten restricted areas für Nicht-Hindus wie mich tabu sind. In der Zwischenzeit nutze ich die Gelegenheit mich in dem Riesenareal zu verlaufen und sämtlichen Göttern hallo zu sagen. Vor der Statue einer Kuh werde ich schlussendlich gesalbt, zumindest deute ich das Pulver auf meiner Stirn so.

Zu einem späteren Zeitpunkt wische ich mir beim Abendessen übers Gesicht, um die angesammelten Schweißmassen zusammenzutragen - ohne dabei an das noch Vorhandensein des ominösen Pulvers zu denken. Das Resultat dieses Wischvorganges hat sich gut in die Hand integriert, mit der ich esse. Nach dem Abendessen erfahre ich unter leichtem Schmunzeln meines Aufklärers, dass die "Salbe" der heiligen Kuh naheliegenderweise nichts anderes ist als die Asche verbrannten Kuhmists.
Die darauffolgende Besichtigung eines Palastes Padmanabhapuram kürze sich mit einem künstlerisch wertvollen Foto ab.

Danach geschieht etwas, was ich wohl mein Leben lang nicht vergessen werde: ich treffe tatsächlich den Schwarm meiner Jugend, Shahrukh Khan. Er scheint ein recht sympathischer Zeitgenosse zu sein, der trotz seiner zahlreichen Erfolge (die es sogar vereinzelt bis nach Deutschland geschafft haben) immer noch bescheiden geblieben ist. Meine Frage, ob ich in seinem nächsten Film die weibliche Hauptrolle übernehmen darf, ignoriert er aber dezent. Auch Mr. Jackson und Mr. Ghandi erweisen sich nicht als die Gesprächigsten. Naja, Starallüren eben.

Weiter geht die Reise zum "southmost part" Indiens, Kanyakumari (Cape Comaria), dort wo der Golf von Bengalen, das arabische Meer sowie der indische Ozean zusammentreffen. Ich schaue interessiert noch weiter gen Süden, kann bei den gegebenen Witterungsverhältnissen den Südpol aber nicht sehen. Dennoch möchte ich einige Impressionen dieser beeindruckenden Aussicht teilen:


Der Sonnenuntergang rundet den Tag und das Programm ab.
In Tamil Nadu sehe ich mich auf Anhieb wesentlich mehr mit Armut und sozialen Gegensätzen konfrontiert als im auf Tourismus ausgerichteten Kerala. Grob geschätzt existiert im Durchschnitt ein allgemeiner Gewichtsunterschied von an die 10kg, wöge man die Einwohner beider Bundesstaaten. Die aus Kerala bekannte, unübertreffliche Alphabetisierungsrate von nahezu 100% spielt in einer anderen Liga als die hier vorzufindende. Dafür gibt es hier umso mehr Bettler, die um die Aufmerksamkeit der Touristen kämpfen. Einige von ihnen wollen Luftballons verkaufen, andere hoffen schlichtweg auf Mitleid, wenn sie ihre stark verkrüppelten Körperteile zur Schau stellen. Ich höre, dass einige Familien an ihren Kindern im Glauben an größere Chancen auf Bettelerfolge diesbezüglich sogar selbst Hand anlegen.
Der erste Halt mit Ausstieg (es gibt unter Berücksichtigung der chaotischen Verkehrsbedingungen in Indien zahlreiches Halten ohne Aussteigen) dient der Besichtigung eines Tempels in Thuckalay, meiner ersten. Hierfür ist das Ablegen der Schuhe ebenso unabdingbar wie das Freimachen des Oberkörpers. Letzteres gilt selbstverständlich nur für den männlichen Part der Gläubiger. Innen darf ich mich nicht ganz frei bewegen, da die sogenannten restricted areas für Nicht-Hindus wie mich tabu sind. In der Zwischenzeit nutze ich die Gelegenheit mich in dem Riesenareal zu verlaufen und sämtlichen Göttern hallo zu sagen. Vor der Statue einer Kuh werde ich schlussendlich gesalbt, zumindest deute ich das Pulver auf meiner Stirn so.

Zu einem späteren Zeitpunkt wische ich mir beim Abendessen übers Gesicht, um die angesammelten Schweißmassen zusammenzutragen - ohne dabei an das noch Vorhandensein des ominösen Pulvers zu denken. Das Resultat dieses Wischvorganges hat sich gut in die Hand integriert, mit der ich esse. Nach dem Abendessen erfahre ich unter leichtem Schmunzeln meines Aufklärers, dass die "Salbe" der heiligen Kuh naheliegenderweise nichts anderes ist als die Asche verbrannten Kuhmists.
Die darauffolgende Besichtigung eines Palastes Padmanabhapuram kürze sich mit einem künstlerisch wertvollen Foto ab.

Danach geschieht etwas, was ich wohl mein Leben lang nicht vergessen werde: ich treffe tatsächlich den Schwarm meiner Jugend, Shahrukh Khan. Er scheint ein recht sympathischer Zeitgenosse zu sein, der trotz seiner zahlreichen Erfolge (die es sogar vereinzelt bis nach Deutschland geschafft haben) immer noch bescheiden geblieben ist. Meine Frage, ob ich in seinem nächsten Film die weibliche Hauptrolle übernehmen darf, ignoriert er aber dezent. Auch Mr. Jackson und Mr. Ghandi erweisen sich nicht als die Gesprächigsten. Naja, Starallüren eben.

Weiter geht die Reise zum "southmost part" Indiens, Kanyakumari (Cape Comaria), dort wo der Golf von Bengalen, das arabische Meer sowie der indische Ozean zusammentreffen. Ich schaue interessiert noch weiter gen Süden, kann bei den gegebenen Witterungsverhältnissen den Südpol aber nicht sehen. Dennoch möchte ich einige Impressionen dieser beeindruckenden Aussicht teilen:


Der Sonnenuntergang rundet den Tag und das Programm ab.
Mittwoch, 13. Januar 2010
Black Forest
Erneut beim Thema Essen angekommen, möchte ich dort gerne noch einen Moment verweilen - zumal sich die aktuelle Tageszeit hierfür gerade nahezu anbietet. In einem orientalischen Süßwarenladen, in dem ich anschließend doch noch versuche meinem Süß-Bedürfnis entgegen zu kommen, entdecke ich neben allerlei fremder Köstlichkeiten (die mich letztendlich fast zu einer Zuckerüberdosis verleiten) etwas Seltsames.
Ich frage interessiert, wie sich die scheinbar bekannt vorkommende Speise zu nennen gedenkt. Black Forest Cake. Meine Sicherheit nimmt zu, selbst obwohl der Tatsache, dass daraus eine noch tiefgreifendere Verwirrung hervorgeht. Nach ausgiebiger Recherchearbeit, die nie wirklich stattgefunden hat, finde ich in Indien, um Indien und um Indien herum keine Gegend, die dem Begriff "Black Forest" gerecht werden könnte.
Der "Black Forest Cake" ist ein mehrschichtiger Kuchen, der sich durch alternierend aufgebaute Schichten von Schokoladenbiskuit und Sahne auszeichnet und in den zumindest teilweise Spirituosen eingearbeitet sind. Den Höhepunkt stellt im wahrsten Sinne des Wortes eine Kirsche dar. Diese hat den Weg in die Übersetzung wohl leider nicht geschafft.
In Ermangelung eines Beweisfotos setze ich an dieser Stelle auf das Vertrauen des treuen Lesers.
Ich frage interessiert, wie sich die scheinbar bekannt vorkommende Speise zu nennen gedenkt. Black Forest Cake. Meine Sicherheit nimmt zu, selbst obwohl der Tatsache, dass daraus eine noch tiefgreifendere Verwirrung hervorgeht. Nach ausgiebiger Recherchearbeit, die nie wirklich stattgefunden hat, finde ich in Indien, um Indien und um Indien herum keine Gegend, die dem Begriff "Black Forest" gerecht werden könnte.
Der "Black Forest Cake" ist ein mehrschichtiger Kuchen, der sich durch alternierend aufgebaute Schichten von Schokoladenbiskuit und Sahne auszeichnet und in den zumindest teilweise Spirituosen eingearbeitet sind. Den Höhepunkt stellt im wahrsten Sinne des Wortes eine Kirsche dar. Diese hat den Weg in die Übersetzung wohl leider nicht geschafft.
In Ermangelung eines Beweisfotos setze ich an dieser Stelle auf das Vertrauen des treuen Lesers.
Rocket Science
Ich gewöhne mich mehr und mehr an die indische Küche. Die nächste große Herausforderung wird nun, mich daran gewöhnen zu müssen, nur noch ausschließlich von indischem Essen zu leben. Ganz zu schweigen davon, eine Speisekarte vor sich zu haben und das zu bestellen, worauf man Lust hat.
Die Sprache des Kulinarismus in Indien klingt für mich nach wie vor fremd, wenn auch nicht zwangsläufig befremdlich. Chicken sagt mir glücklicherweise meist was, Mutton wiederum habe ich immerhin gelernt, steht stellvertretend für das Ableben einer Ziege.
Einen Abend verbringe ich mit Dosa, einer vegetarischen Speise, die einen süßen Eindruck macht, das aufkommende Süß-Bedürfnis aber nicht befriedigen wird. Die Form betrachte ich als zeigenswert.

Einige Tage später soll ich sogar noch einer Steigerungsform dieses Mahls begegnen, sie nennt sich vornehmlich Rocket Dosa.

Ich bin gespannt auf den Superlativ.
Die Sprache des Kulinarismus in Indien klingt für mich nach wie vor fremd, wenn auch nicht zwangsläufig befremdlich. Chicken sagt mir glücklicherweise meist was, Mutton wiederum habe ich immerhin gelernt, steht stellvertretend für das Ableben einer Ziege.
Einen Abend verbringe ich mit Dosa, einer vegetarischen Speise, die einen süßen Eindruck macht, das aufkommende Süß-Bedürfnis aber nicht befriedigen wird. Die Form betrachte ich als zeigenswert.

Einige Tage später soll ich sogar noch einer Steigerungsform dieses Mahls begegnen, sie nennt sich vornehmlich Rocket Dosa.
Ich bin gespannt auf den Superlativ.
Dienstag, 12. Januar 2010
Sideshow-Story: Lakshmi
Ich lese eine Geschichte, die mich rührt, und die beispielhaft für den Culture Clash zwischen traditionellen Ansichten und neuen Werten stehen soll.
Als in den 1990er Jahren in Indien der erste Geldautomat eingeführt wird, versammeln sich Massen um gemeinsam zu lobpreisen. Der Geldautomat wird mit Blumen verhangen und angebetet. Das Volk sieht in ihm eine Inkarnation der Göttin Lakshmi, Spenderin von Reichtum und Wohlstand.
Als in den 1990er Jahren in Indien der erste Geldautomat eingeführt wird, versammeln sich Massen um gemeinsam zu lobpreisen. Der Geldautomat wird mit Blumen verhangen und angebetet. Das Volk sieht in ihm eine Inkarnation der Göttin Lakshmi, Spenderin von Reichtum und Wohlstand.
Marriage
In Indien wird eher aus Vernunft als aus Liebe geheiratet. Nicht etwa die Betrauten finden sich, sondern deren Eltern. Dies gilt übrigens allgemein für sämtliche Religionsformen in Indien, dabei ist zu beachten, dass man religions- und kastentechnisch übereinkommt. Die Kaste ist angeboren und zumindest zu Lebzeiten nicht veränderbar. Das Kastensystem sieht grob gesagt vier vertikale Stufen (Geistliche, Krieger, Händler und Bauern), die sich dafür aber teilweise zu Tausenden in die Breite ziehen. Am Namen kann man in den meisten Fällen ablesen, mit wem man es zu tun hat. Ich bin dieser für mein Leben bisher unbedeutenden Fähigkeit allerdings noch nicht mächtig.
Die Wahl der Religion dagegen darf in manch liberal gesinnteren Bundesstaaten durchaus geändert werden. So habe ich Hindus getroffen, die "actually think they believe in god" oder solche die sich dem Buddhismus zugewandt haben. Dessen Ursprünge sind übrigens auf Indien zurückzuführen, Buddha war eine Inkarnation eines ich glaube in irgend einer Form erschaffenden Gottes des Hinduismus. Prozentual betrachtet spielt der Buddhismus in Indien heute aber nur noch in der unteren Liga.
Sind sich die Eltern von beiden Parteien einig, darf allerdings nicht einfach drauf losgeheiratet werden, vielmehr muss erst noch das tatsächliche ob und das nicht minder wichtige wann geklärt werden. Diese beiden Fragen können nur durch höhere Instanzen treffsicher beantwortet werden. Man fragt die Götter - und zwar indem man sich ansieht, wie sie die Sterne konstellieren. Astrologie ahoi!
Den mitunter wichtigsten Moment im Leben, den der Heirat, erleben die meisten Inder für unsere Verhältnisse schon verhältnismäßig früh. Wie früh kann aber nicht unbedingt verallgemeinert werden. Ich, der sich nach unseren Verhältnissen bezüglich diesem Thema noch verhältnismäßig jung fühlt, werde oft gefragt, ob ich denn verheiratet sei. Nachdem durch ein dezentes "no" meist Augenrollen provoziert wird, habe ich mir angewöhnt das Augenrollen mit einem "No no, I'm just kidding. I am married and I have seven children." zu erwidern.
Ein Verwandter der Familie, bei der ich in Kerala gehaust habe, meinte darauf sogar, ich solle doch trotzdem hier noch ein Mädchen heiraten. Die könnte mir dann wenigstens endlich Malayalam beibringen.
Die Wahl der Religion dagegen darf in manch liberal gesinnteren Bundesstaaten durchaus geändert werden. So habe ich Hindus getroffen, die "actually think they believe in god" oder solche die sich dem Buddhismus zugewandt haben. Dessen Ursprünge sind übrigens auf Indien zurückzuführen, Buddha war eine Inkarnation eines ich glaube in irgend einer Form erschaffenden Gottes des Hinduismus. Prozentual betrachtet spielt der Buddhismus in Indien heute aber nur noch in der unteren Liga.
Sind sich die Eltern von beiden Parteien einig, darf allerdings nicht einfach drauf losgeheiratet werden, vielmehr muss erst noch das tatsächliche ob und das nicht minder wichtige wann geklärt werden. Diese beiden Fragen können nur durch höhere Instanzen treffsicher beantwortet werden. Man fragt die Götter - und zwar indem man sich ansieht, wie sie die Sterne konstellieren. Astrologie ahoi!
Den mitunter wichtigsten Moment im Leben, den der Heirat, erleben die meisten Inder für unsere Verhältnisse schon verhältnismäßig früh. Wie früh kann aber nicht unbedingt verallgemeinert werden. Ich, der sich nach unseren Verhältnissen bezüglich diesem Thema noch verhältnismäßig jung fühlt, werde oft gefragt, ob ich denn verheiratet sei. Nachdem durch ein dezentes "no" meist Augenrollen provoziert wird, habe ich mir angewöhnt das Augenrollen mit einem "No no, I'm just kidding. I am married and I have seven children." zu erwidern.
Ein Verwandter der Familie, bei der ich in Kerala gehaust habe, meinte darauf sogar, ich solle doch trotzdem hier noch ein Mädchen heiraten. Die könnte mir dann wenigstens endlich Malayalam beibringen.
Montag, 11. Januar 2010
Houseboat
Tag 3 und 4 sollen zusammengehören und sich dadurch auszeichnen, auf einem Hausboot verbracht zu werden. Kerala, genauer gesagt dessen Stadt Alappuzha bietet nämlich dafür bestens geeignete Backwater. Für mich eine an sich unheimlich aufregende Sache, da ich so langsam beginne, Indien mit allen 5 Sinnen zu erleben. Sehen und dabei Staunen habe ich hiermit zumindest schon erfüllt. Wenn ich es mir genauer überlege, möchte ich aber beim Thema Sehen fairerweise auch noch die ganzen Farben erwähnen, die ich allgegenwertig wahrnehme.
Ein Hausboot hat man sich in etwa so vorzustellen:

Innen recht geräumig, mit immerhin 3 Schlafzimmern (!) und Plasmafernseher (?).

Außen wird kaltes Bier serviert...

... während die Aussicht einfach nur geil ist.

Wir genießen und fühlen uns wie Paschas, da jeder von uns sogar einen eigenen Bediensteten hat. Ab und zu steigen wir mal auf einer dieser Inseln aus und sehen uns seltene, dort ansässige giftige Tiere, sowie auf den Inseln autark lebende Menschen an. Ich bin beeindruckt, da hin und wieder pro Insel nur ein Haus, ein kleines Reisfeld, ein paar Kokosnussbäume und eben das Wasser ringsherum vorhanden ist. Infrastruktur adé.
Die Inselbewohner sind, wie ich mir sagen lasse, blau - zurückzuführen auf den aufs Wasser ausgerichteten Lebensstil. Zwei der Inselbewohnerinnen, die das heiratsfähige Alter noch nicht ganz erreicht haben, wollen unbedingt wissen, wie ich heiße.

Wahrscheinlich hoffen sie darauf, als nächste Generation das Leben nicht ausschließlich auf der Insel verbringen zu müssen. In ihren Vorstellungen könnte ich sozusagen der Erlöser, der Wegheirater werden. Wer weiß, vielleicht ticken die Uhren dort ja schneller.
Bei Sonnenuntergang lerne ich den Wert einer Kokosnuss zu schätzen und wie ich diesen entsprechend zu würdigen habe. Kokosnüssen werde ich bestimmt noch ein eigenes Kapitel in meinem Abenteuer widmen.

Nach Sonnenuntergang erzählt einer meiner "Mitfahrer", er fühle sich krank. Fiebrig. Wir halten an und sollen schlafen. Stehende Gewässer, ich wusste doch da war was. Meine bisherig gelebte lockere Unvorsicht fühlt sich auf die Probe gestellt und in meinen Augen leuchten 7 gelbe Buchstaben: Malaria. Aus Unsicherheit und einem schwierig einzuschätzenden Maß Angst drehe ich durch. Ich ziehe alle meine imprägnierten Klamotten über, sogar mehrlagig. Das Haupt bedecke ich deckend mit einer vor Insektengift triefenden Mütze. Die Augen schütze ich mit einer Sonnenbrille und alle freiliegenden Hautstellen schmiere ich im 10-Minuten Takt zu. Ich stopfe mir sogar das Hemd in die Hose.
Ich frage nach einem Moskitonetz, aber ein solches fährt nicht mit. Meine Malariaprophylaxe liegt ebenfalls zuhause gut und sicher aufbewahrt. Ich schmeiße die Klimaanlage auf 16° und drehe den Ventilator voll auf, ich bilde mir ein, Moskitos stechen bei Kälte und Wind nicht. Ich friere. Beim Versuch, einen schwarzen Punkt an der Decke als Moskito der Gattung Anopheles zu interpretieren, schneidet der rasende Ventilator schier mein Haupt vom Halse. Mir fällt ein, dass ich gelesen habe, dass wegen der Anti-Moskito-Mittel schon Leute gestorben sind, nachdem sie zunächst an Schlaflosigkeit litten. Ich kann nicht schlafen.
Am nächsten Morgen sind alle wieder fit, ich spüre allerdings Symptome einer Erkältung. Beim Blick in die Ferne beschließe ich: Es war die Klimaanlage.
Ein Hausboot hat man sich in etwa so vorzustellen:
Innen recht geräumig, mit immerhin 3 Schlafzimmern (!) und Plasmafernseher (?).

Außen wird kaltes Bier serviert...

... während die Aussicht einfach nur geil ist.

Wir genießen und fühlen uns wie Paschas, da jeder von uns sogar einen eigenen Bediensteten hat. Ab und zu steigen wir mal auf einer dieser Inseln aus und sehen uns seltene, dort ansässige giftige Tiere, sowie auf den Inseln autark lebende Menschen an. Ich bin beeindruckt, da hin und wieder pro Insel nur ein Haus, ein kleines Reisfeld, ein paar Kokosnussbäume und eben das Wasser ringsherum vorhanden ist. Infrastruktur adé.
Die Inselbewohner sind, wie ich mir sagen lasse, blau - zurückzuführen auf den aufs Wasser ausgerichteten Lebensstil. Zwei der Inselbewohnerinnen, die das heiratsfähige Alter noch nicht ganz erreicht haben, wollen unbedingt wissen, wie ich heiße.

Wahrscheinlich hoffen sie darauf, als nächste Generation das Leben nicht ausschließlich auf der Insel verbringen zu müssen. In ihren Vorstellungen könnte ich sozusagen der Erlöser, der Wegheirater werden. Wer weiß, vielleicht ticken die Uhren dort ja schneller.
Bei Sonnenuntergang lerne ich den Wert einer Kokosnuss zu schätzen und wie ich diesen entsprechend zu würdigen habe. Kokosnüssen werde ich bestimmt noch ein eigenes Kapitel in meinem Abenteuer widmen.

Nach Sonnenuntergang erzählt einer meiner "Mitfahrer", er fühle sich krank. Fiebrig. Wir halten an und sollen schlafen. Stehende Gewässer, ich wusste doch da war was. Meine bisherig gelebte lockere Unvorsicht fühlt sich auf die Probe gestellt und in meinen Augen leuchten 7 gelbe Buchstaben: Malaria. Aus Unsicherheit und einem schwierig einzuschätzenden Maß Angst drehe ich durch. Ich ziehe alle meine imprägnierten Klamotten über, sogar mehrlagig. Das Haupt bedecke ich deckend mit einer vor Insektengift triefenden Mütze. Die Augen schütze ich mit einer Sonnenbrille und alle freiliegenden Hautstellen schmiere ich im 10-Minuten Takt zu. Ich stopfe mir sogar das Hemd in die Hose.
Ich frage nach einem Moskitonetz, aber ein solches fährt nicht mit. Meine Malariaprophylaxe liegt ebenfalls zuhause gut und sicher aufbewahrt. Ich schmeiße die Klimaanlage auf 16° und drehe den Ventilator voll auf, ich bilde mir ein, Moskitos stechen bei Kälte und Wind nicht. Ich friere. Beim Versuch, einen schwarzen Punkt an der Decke als Moskito der Gattung Anopheles zu interpretieren, schneidet der rasende Ventilator schier mein Haupt vom Halse. Mir fällt ein, dass ich gelesen habe, dass wegen der Anti-Moskito-Mittel schon Leute gestorben sind, nachdem sie zunächst an Schlaflosigkeit litten. Ich kann nicht schlafen.
Am nächsten Morgen sind alle wieder fit, ich spüre allerdings Symptome einer Erkältung. Beim Blick in die Ferne beschließe ich: Es war die Klimaanlage.
Language
Indien ist - wie bereits erwähnt - nicht nur politisch, sondern auch kulturell stark föderalistisch geprägt. Vor meiner Abreise war ich mir sicher, mich gut und komfortabel verständigen zu können, da keine "höhere" Sprache wie Französisch oder Spanisch von Nöten sein sollte. Dank der Briten konnte man es beim simplen Englisch belassen. Mir war außerdem bewusst, dass es noch eine weitere wichtige Sprache in Indien zu sprechen gibt, nämlich Hindi. Ist ja vielleicht ganz interessant, lerne ich bei Gelegenheit.
Schon in Kerala glich Hindi aber eher Deutsch als Englisch. Hindi lernt man zwar irgendwann mal in der Schule, ist aber im Prinzip so wie wir das mit dem Französischen handhaben. In Kerala spricht man !§$%&, angeblich ein Palindrom (so wie "Anna", von vorne wie von hinten). !§$%& habe ich einmal als "Nirvana", einmal als "Maleium" und wann anders als "Melaleum" verstanden. Von wegen Palindrom.
Erst gegen recht spät lese ich das Wort zufällig an einem Straßenschild. Die Sprache soll wohl Malayalam heißen. Bingo! Die Reichweite Malayalams beschränkt sich aber quasi auf den einen von Indiens 26 Bundesstaaten, Kerala. Im Nachbarstaat Tamil Nadu, wo Tamil gesprochen wird, muss der Keralaianer also auch wieder auf seine Englischkenntnisse setzen. Einer der Inder hat in diesem Zusammenhang einen recht netten Vergleich gewagt: Indien ist demnach wie Europa.
A propos Englisch. Ich habe außerdem gehört, dass Inder eher Menglish als English sprechen. Das M soll dabei die Vermischung mit der eigenen Lokalsprache, der Mother tongue, ausdrücken.
Auch die Schriftbilder der Sprachen sind sich gänzlich verschieden:
"Das war Malayalam, Tamil und Hindi" , würde die Maus jetzt sagen.
Selbst für das simple (Anmerkung des Erzählers: aber deswegen in keinster Weise langweiligen) Spiel Uno werden lokal 5-sprachige Bedienungsanleitungen gedruckt, die international, ja sogar national verhältnismäßig nur wenig Anklang finden. Englisch, Hindi, Bengali, Kannada und Tamil. Malayalam ist da noch nicht mal dabei!
Schon in Kerala glich Hindi aber eher Deutsch als Englisch. Hindi lernt man zwar irgendwann mal in der Schule, ist aber im Prinzip so wie wir das mit dem Französischen handhaben. In Kerala spricht man !§$%&, angeblich ein Palindrom (so wie "Anna", von vorne wie von hinten). !§$%& habe ich einmal als "Nirvana", einmal als "Maleium" und wann anders als "Melaleum" verstanden. Von wegen Palindrom.
Erst gegen recht spät lese ich das Wort zufällig an einem Straßenschild. Die Sprache soll wohl Malayalam heißen. Bingo! Die Reichweite Malayalams beschränkt sich aber quasi auf den einen von Indiens 26 Bundesstaaten, Kerala. Im Nachbarstaat Tamil Nadu, wo Tamil gesprochen wird, muss der Keralaianer also auch wieder auf seine Englischkenntnisse setzen. Einer der Inder hat in diesem Zusammenhang einen recht netten Vergleich gewagt: Indien ist demnach wie Europa.
A propos Englisch. Ich habe außerdem gehört, dass Inder eher Menglish als English sprechen. Das M soll dabei die Vermischung mit der eigenen Lokalsprache, der Mother tongue, ausdrücken.
Auch die Schriftbilder der Sprachen sind sich gänzlich verschieden:
"Das war Malayalam, Tamil und Hindi" , würde die Maus jetzt sagen.Selbst für das simple (Anmerkung des Erzählers: aber deswegen in keinster Weise langweiligen) Spiel Uno werden lokal 5-sprachige Bedienungsanleitungen gedruckt, die international, ja sogar national verhältnismäßig nur wenig Anklang finden. Englisch, Hindi, Bengali, Kannada und Tamil. Malayalam ist da noch nicht mal dabei!
Sideshow-Story: Salt
Ich höre eine Geschichte, die mich rührt, und in deren Denkweise ich mich selbst wiederfinden kann.
Als ich ein kleiner Junge war, hat mich meine Mutter ins Nachbardorf geschickt, um ihr von dort Salz zu besorgen. Ich bekomme dafür 10 Rupien in die Hand. Nach langem Wege beim Händler angekommen frage ich, was ein Kilo Salz kosten soll. "1 Rupie", so die Antwort. Mutter ist zufrieden, aber in erster Linie erstaunt, als ich mit 10 kg Salz zuhause ankomme.
Als ich ein kleiner Junge war, hat mich meine Mutter ins Nachbardorf geschickt, um ihr von dort Salz zu besorgen. Ich bekomme dafür 10 Rupien in die Hand. Nach langem Wege beim Händler angekommen frage ich, was ein Kilo Salz kosten soll. "1 Rupie", so die Antwort. Mutter ist zufrieden, aber in erster Linie erstaunt, als ich mit 10 kg Salz zuhause ankomme.
Art
Noch am selben Tag 2 steht ein in meinen Augen weiteres Spektakel an. Wir sehen uns eine traditionelle Art Performance an, die eine Geschichte aus dem Bereich der Götter in Form eines atemberaubenden Tanzes überliefert (Mudiyettu). Dabei geht es heiß her:


Erstaunlich finde ich vor allem die Tatsache, dass der Tanz nicht einfach nur rhythmisch anmaßende Bewegungen aneinanderreiht (dies entspräche ansonsten in etwa meiner Definition von Tanzen), sondern tatsächlich die Geschichte erzählt. Einige Zuschauer um mich herum haben noch gelernt diese Sprache zu lesen und somit jede Bewegung zu deuten. Dabei spielt der Einsatz des Körpers eine ebenso wichtige Rolle wie der des Gesichts, der Mimik. Das Gesicht ist nicht, wie auf die den ersten Blick zu vermuten wäre, von einer Maske bedeckt, es ist lediglich von Make-Up übertüncht. Um das Make-Up so pompös wie eine Maske wirken zu lassen, braucht es vor jeder Vorstellung an die drei Stunden Schminkzeit.
Begleitend zum Tanz schlagen Männer mit nackten Oberkörpern im Hintergrund auf Trommeln. Als Lichtquelle dient fast ausschließlich eine in der Mitte platzierte Öllampe, sowie ab und an ein durch Feuerspucken produzierter Überraschungseffekt (in etwa vergleichbar mit einem Rammstein-Konzert).
Auf dem linken Bild ist ein Symbol zu sehen, über das wohl so ziemlich jeder Angehörige einer westlichen Gesellschaft stolpern würde: ein Swastik. Dieses hat seinen Ursprung in der hinduistischen Mythologie und sollte ursprünglich "Glück" symbolisieren. Der deutsche Gebrauch sah eine "umgedrehte" Version des Swastik vor (sodass die Zacken gegen den Uhrzeigersinn verlaufen). Dass dieser deshalb für "Unglück" steht, ist naheliegend.
Den gravierendsten Eindruck, den ich von der Performance mitnehme, schreibe ich aber folgendem zu: Der Kopfschmuck des Protagonisten ist massiv, ebenso ein Großteil der Kleidung. Die Performance geht mindestens zwei Stunden bei viel Bewegung und heißem Klima. Wer 1 und 1 zusammenzählt, bemerkt die enorme körperliche Belastung, die auf den Tanzenden einwirkt. Dies hat zur Folge, dass besagter meist Kontrolle über Körper und Geist gänzlich verliert und in diesem tranceähnlichen Zustand sich tatsächlich wie die zu verkörpernde Gottheit fühlt. Er wird eins mit seiner Rolle.
Erstaunlich finde ich vor allem die Tatsache, dass der Tanz nicht einfach nur rhythmisch anmaßende Bewegungen aneinanderreiht (dies entspräche ansonsten in etwa meiner Definition von Tanzen), sondern tatsächlich die Geschichte erzählt. Einige Zuschauer um mich herum haben noch gelernt diese Sprache zu lesen und somit jede Bewegung zu deuten. Dabei spielt der Einsatz des Körpers eine ebenso wichtige Rolle wie der des Gesichts, der Mimik. Das Gesicht ist nicht, wie auf die den ersten Blick zu vermuten wäre, von einer Maske bedeckt, es ist lediglich von Make-Up übertüncht. Um das Make-Up so pompös wie eine Maske wirken zu lassen, braucht es vor jeder Vorstellung an die drei Stunden Schminkzeit.
Begleitend zum Tanz schlagen Männer mit nackten Oberkörpern im Hintergrund auf Trommeln. Als Lichtquelle dient fast ausschließlich eine in der Mitte platzierte Öllampe, sowie ab und an ein durch Feuerspucken produzierter Überraschungseffekt (in etwa vergleichbar mit einem Rammstein-Konzert).
Auf dem linken Bild ist ein Symbol zu sehen, über das wohl so ziemlich jeder Angehörige einer westlichen Gesellschaft stolpern würde: ein Swastik. Dieses hat seinen Ursprung in der hinduistischen Mythologie und sollte ursprünglich "Glück" symbolisieren. Der deutsche Gebrauch sah eine "umgedrehte" Version des Swastik vor (sodass die Zacken gegen den Uhrzeigersinn verlaufen). Dass dieser deshalb für "Unglück" steht, ist naheliegend.
Den gravierendsten Eindruck, den ich von der Performance mitnehme, schreibe ich aber folgendem zu: Der Kopfschmuck des Protagonisten ist massiv, ebenso ein Großteil der Kleidung. Die Performance geht mindestens zwei Stunden bei viel Bewegung und heißem Klima. Wer 1 und 1 zusammenzählt, bemerkt die enorme körperliche Belastung, die auf den Tanzenden einwirkt. Dies hat zur Folge, dass besagter meist Kontrolle über Körper und Geist gänzlich verliert und in diesem tranceähnlichen Zustand sich tatsächlich wie die zu verkörpernde Gottheit fühlt. Er wird eins mit seiner Rolle.
Sonntag, 10. Januar 2010
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