Wie es der Zufall so will wurde am Tag vor meiner Abreise ein Special der Sendung mit der Maus ausgestrahlt, bei dem es um Indien ging. Das Thema war also kindgerecht aufgebreitet und leicht zugänglich, dennoch habe ich noch den ein oder anderen entscheidenden Tipp bekommen. (Anmerkung des Erzählers: Die Schattenseiten Indiens blieben bei der Maus verständlicherweise weitestgehend unerwähnt.)
Wichtig: Wenn ich jemandem zuhöre, nicke ich aus Gewohnheit als Zeichen purer Zustimmung (in seltenen Fällen auch Langeweile) während mein Gegenüber spricht. Ich denke das dürfte dem ein oder anderen bekannt sein. Dem Inder ist es dies auch, das verblüffende ist nur, er nickt anders. Er nickt nicht, neckisch formuliert, von oben nach unten, sondern so, als würde er immer wieder versuchen, den Kopf seitlich auf die jeweilige Schulter zu legen. Das birgt zwei Gefahren:
Zum einen ist das recht nahe an dem, was wir (und übrigens auch die Inder) als Verneinen, Ablehnen verstehen. Zum anderen würde zumindest ich diese Bewegung unter Umständen verwenden um zu sagen: "Hmm, weiß nicht recht.", dementsprechend interpretiere ich sie auch.
Den Höhepunkt dieses Misunderstandings dürfte ich wohl erlebt haben, als ich in Begleitung von drei weiteren Personen im Restaurant zu dinieren gedachte. Während der Kellner die Bestellungen der anderen aufnahm, habe ich intuitiv immer den Bestellenden angesehen. Als der Kellner schlussendlich meinen Kauderwelsch aufnehmen sollte, habe ich erst sein ständiges Nicken bemerkt. Im entscheidenden Moment hat die Synapse aber nicht geschalten und ich dachte er wolle sagen "I'm not so sure if you really want that." (Weshalb auch immer.)
Mittlerweile habe ich herausgefunden, dass mein Kopf eine indisch nickähnliche Bewegung nachempfindet, sobald irgendwo Hindi-Musik trällert. Üben, üben, üben.
Sonntag, 10. Januar 2010
Go Kart
Der indische Straßenverkehr ähnelt vergleichsweise stark dem, was mir unter Go Kart bekannt ist. Es stinkt nach Benzin und jeder versucht in erster Linie, als schnellster voran zu kommen. Der entscheidende Unterschied dürfte aber sein, dass man im indischen Straßenverkehr bei riskanten Manövern nicht etwa abbremst, sondern einfach hupt und Gas gibt. Das Hupen symbolisiert meinem bisher wenig stark ausgeprägten Verständnis so etwas wie "Achtung, ich komme!". Anders als im Familienleben, bei dem das Individuum an sich eine untergeordnete Rolle spielt, folgt im Verkehr jeder durchaus individuellen Interessen.
Etwas zum Anschnallen gibt es im Auto meist nicht und ein Großteil der Motorradfahrer fährt ohne Helm (dafür aber oft mit Frau und Kind hinten auf). Das Erstaunliche dabei ist, dass es trotzdem recht gut funktioniert. Ich habe zu diesem Thema zwei Theorien entwickelt:
Die Straßenverhältnisse sind im besten Falle abenteuerlich, zurückzuführen auf Hitze und Monsun. Mir ist es gelungen, zumindest von Rikscha und Bus eine Impression des "Wackelgefühls" festzuhalten:

Etwas zum Anschnallen gibt es im Auto meist nicht und ein Großteil der Motorradfahrer fährt ohne Helm (dafür aber oft mit Frau und Kind hinten auf). Das Erstaunliche dabei ist, dass es trotzdem recht gut funktioniert. Ich habe zu diesem Thema zwei Theorien entwickelt:
- Die Inder haben neben den uns bekannten Möglichkeiten zur Kommunikation noch eine auf Telepathie basierende, separate Verkehrsverständigung, welche die einfachen Sinne nicht trüben können.
- Aufgrund der Tatsache, dass das Land wahnsinnig viele Software-Entwickler hervorgebracht hat, fühlten diese sich dazu berufen, einen zentralen Computer zu entwickeln, der aus sicherer Entfernung sämtliche Vehikel fernsteuert.
Die Straßenverhältnisse sind im besten Falle abenteuerlich, zurückzuführen auf Hitze und Monsun. Mir ist es gelungen, zumindest von Rikscha und Bus eine Impression des "Wackelgefühls" festzuhalten:
Meals & Manners
Die Sache mit dem Essen gehe ich zunächst vorsichtig an, aus Angst mich gleich der Kohletablettentherapie unterziehen zu müssen. So habe ich immerhin die Gelegenheit, den anderen beim Essen über die Schulter - oder besser gesagt auf die Finger zu schauen. Die Inder essen nämlich mit keinem anderen Werkzeug als den gottgegebenen Fingern.

Man hat meistens einen Nährboden wie Reis, mehrere Currys und Pickles. Letzteres ist eine Art Gemüsezubereitung, die in erster Linie ungewohnt schmeckt. Currys sind vereinfacht ausgedrückt Fleisch in Soße, meist gekocht oder sogar steamcooked. Dabei sind die Knochen dann so weich, dass man sie einfach mitessen kann. Alles zusammen wird vermanscht und zu Munde geführt. Zum Schluss schleckt man sich genüsslich alle Finger ab.
Was wiederum danach kommt, hat mich ein wenig überrascht, dann aber amüsiert: man rülpst. Das ist das Zeichen für den Koch, dass das Essen geschmeckt hat und dass die im Allgemeinen so wichtig geltende Verdauung ihre Arbeit aufnimmt. Ebenso überrascht dürften meine Tischgenossen gewesen sein, als ich mich an dieser Zeremonie aktiv beteiligte - und zwar in einem Lautstärkepegel, der sich nicht zu verstecken brauchte. Einer sah dies glaube ich sogar als direkte Aufforderung zum Duell, woraufhin wir uns eine Weile auf diese Wellenlänge geeinigt haben.

Man hat meistens einen Nährboden wie Reis, mehrere Currys und Pickles. Letzteres ist eine Art Gemüsezubereitung, die in erster Linie ungewohnt schmeckt. Currys sind vereinfacht ausgedrückt Fleisch in Soße, meist gekocht oder sogar steamcooked. Dabei sind die Knochen dann so weich, dass man sie einfach mitessen kann. Alles zusammen wird vermanscht und zu Munde geführt. Zum Schluss schleckt man sich genüsslich alle Finger ab.
Was wiederum danach kommt, hat mich ein wenig überrascht, dann aber amüsiert: man rülpst. Das ist das Zeichen für den Koch, dass das Essen geschmeckt hat und dass die im Allgemeinen so wichtig geltende Verdauung ihre Arbeit aufnimmt. Ebenso überrascht dürften meine Tischgenossen gewesen sein, als ich mich an dieser Zeremonie aktiv beteiligte - und zwar in einem Lautstärkepegel, der sich nicht zu verstecken brauchte. Einer sah dies glaube ich sogar als direkte Aufforderung zum Duell, woraufhin wir uns eine Weile auf diese Wellenlänge geeinigt haben.
Day 1
Wir fahren mit dem Taxi zur Familie meines Freundes, auf dem Weg dorthin verdichten sich meine ersten Dschungelimpressionen. Das Wetter ist heiß und feucht, am liebsten würde ich mir meine Winterkleidung aus der eisigen Heimat vom Leib reißen, aber noch ist mir das mit der Nacktheit in Indien nicht ganz geheuer.
Religion ist bereits im Taxi präsent, der Fahrer hat sowohl Kreuz als auch Jesus-Statue zu bieten. Wir passieren mehrere (christliche) Kirchen, einige sind orange, andere blau. Ich bin im Bundesstaat Kerala, ein für Indien eher ungewöhnlicher. Hier halten sich quantitativ die drei Weltreligionen, Hinduismus, Islam und Christentum, die Waage. Außerdem, wird mir erzählt, dass die Alphabetisierungsrate, also der prozentuale Anteil der Gesellschaft, der des Lesens und Schreibens mächtig ist, bei nahezu 100% liegt. Ich fühle mich nicht nur aufgrund der relativ geografisch betrachteten Lage an Baden-Württemberg erinnert. Die Medaille hat aber analog ihre Kehrseite: Für die niederen Jobs fühlt sich keiner verantwortlich.
Indien ist allgemein sehr stark föderalistisch aufgebaut. Beim Grenzübergang in einen anderen Bundesstaat kann man schon ganz gerne mal durchwühlt werden; man könne ja schmuggeln und sich durch niedrige Steuerraten anderswo bereichern. Jeder Bundesstaat hat meist seinen völlig eigenen Charakter, seine eigene(n) Sprache(n) und daher betrachte ich die Erfahrungen, die ich in Kerala machen werde, keinesfalls als repräsentativ. Bettler und Kühe habe ich noch keine gesehen.

Die Familie begrüßt mich sehr nett, ich fühle mich auf Anhieb wohl. Ich probiere gleich mal namasté aus. Aufgrund der überraschten Reaktion, schließe ich, dass das in Kerala eher nicht üblich ist. Ich werde herumgeführt, im Garten darf ich zahlreiche Früchte kosten, von deren Existenz ich bis dato noch nicht wusste (ja, ich habe auch allerlei Probleme Name, Form und Farbe zu verknüpfen und im Langzeitgedächtnis zu speichern) und am Brunnen wird mir anschließend dessen Wasser angeboten. Ich rätsle, was mit mir dabei wohl schiefgehen könnte. Schlagartig entsinne ich mich an alle don'ts, von denen ich aus Deutschland allzu viele mitbekommen habe. Don't do this, don't do that and never ever ever ever do that. Was solls, die Früchte wären auch don'ts gewesen. Ich frage aus Höflichkeit noch einmal zärtlich "But is it safe?" - "Of course, it is!" Das Wasser schmeckt wirklich toll.
Religion ist bereits im Taxi präsent, der Fahrer hat sowohl Kreuz als auch Jesus-Statue zu bieten. Wir passieren mehrere (christliche) Kirchen, einige sind orange, andere blau. Ich bin im Bundesstaat Kerala, ein für Indien eher ungewöhnlicher. Hier halten sich quantitativ die drei Weltreligionen, Hinduismus, Islam und Christentum, die Waage. Außerdem, wird mir erzählt, dass die Alphabetisierungsrate, also der prozentuale Anteil der Gesellschaft, der des Lesens und Schreibens mächtig ist, bei nahezu 100% liegt. Ich fühle mich nicht nur aufgrund der relativ geografisch betrachteten Lage an Baden-Württemberg erinnert. Die Medaille hat aber analog ihre Kehrseite: Für die niederen Jobs fühlt sich keiner verantwortlich.
Indien ist allgemein sehr stark föderalistisch aufgebaut. Beim Grenzübergang in einen anderen Bundesstaat kann man schon ganz gerne mal durchwühlt werden; man könne ja schmuggeln und sich durch niedrige Steuerraten anderswo bereichern. Jeder Bundesstaat hat meist seinen völlig eigenen Charakter, seine eigene(n) Sprache(n) und daher betrachte ich die Erfahrungen, die ich in Kerala machen werde, keinesfalls als repräsentativ. Bettler und Kühe habe ich noch keine gesehen.

Die Familie begrüßt mich sehr nett, ich fühle mich auf Anhieb wohl. Ich probiere gleich mal namasté aus. Aufgrund der überraschten Reaktion, schließe ich, dass das in Kerala eher nicht üblich ist. Ich werde herumgeführt, im Garten darf ich zahlreiche Früchte kosten, von deren Existenz ich bis dato noch nicht wusste (ja, ich habe auch allerlei Probleme Name, Form und Farbe zu verknüpfen und im Langzeitgedächtnis zu speichern) und am Brunnen wird mir anschließend dessen Wasser angeboten. Ich rätsle, was mit mir dabei wohl schiefgehen könnte. Schlagartig entsinne ich mich an alle don'ts, von denen ich aus Deutschland allzu viele mitbekommen habe. Don't do this, don't do that and never ever ever ever do that. Was solls, die Früchte wären auch don'ts gewesen. Ich frage aus Höflichkeit noch einmal zärtlich "But is it safe?" - "Of course, it is!" Das Wasser schmeckt wirklich toll.
Hello, India
Den ersten Eindruck von Indien werde ich in der Stadt mit dem angeblich längsten Namen der Welt bekommen:
Thiruvananthapuram
Das Wort muss einfach für sich in einer Zeile stehen! Wie sich später herausstellt, bedeutet der Name in etwa "die Stadt der heiligen Schlange". Dass ich dort lande (im wahrsten Sinne des Wortes) hat in erster Linie einen pragmatischen Grund: Ein sehr guter Freund von mir, der in Indien aufgewachsen ist (genauer:
Thiruvananthapuram
) und aktuell in Deutschland lebt, ist gerade genau dort in
Thiruvananthapuram
um seine Familie zu besuchen. Ich habe mich sehr darüber gefreut, von der Familie eingeladen zu werden, bei ihnen während meiner ersten Schnupperwoche in Indien zu wohnen. Doch dazu später mehr.
Im Flugzeug nach
Thiruvananthapuram
saß neben mir ein älteres englisches Ehepaar (very bri-ish), deren Vertrauen ich schnell dadurch gewinnen konnte, dass ich gefragt habe, ob wir nicht alle zusammen mit dem High-End Mediacenter in den Sitzen vor uns den neuen Terminator: Salvations ansehen wollen. Ihnen gefiel mein angeblich schwarzer Humor (?) und ich bekam nochmal einen Crashkurs zu Indiens Kultur. Am allerbesten sei es nämlich, jemanden dort zu kennen, der den kulturell vorherrschenden Bedingungen gewachsen und vor allem erfahren ist. Ein sogenanntes Soft Landing. Glücklicherweise stand mir ja genau das bevor.
Beim Landeanflug in
Thiruvananthapuram
kam ich mir erst einmal vor wie im Dschungel. Überall Palmen, Wasser und schmale kaum-asphaltierte Straßen. Nach dem Aussteigen prasselten mir zunächst unzählige mir unverständliche Warnhinweise entgegen, auf denen meist Frauen mit Mundschutz abgebildet waren. Die Sprache, die man in
Thiruvananthapuram
spricht, ist übrigens, wie ich damals noch nicht wusste, nicht Hindi, sieht aber ähnlich kryptisch aus. Irgendwann entdeckte ich Sinn und Zweck der Aktion in 4 Lettern: H1N1. Wenigstens schon einmal etwas, das mich an zuhause erinnert.
Als ich nach mir völlig unbegreiflicher Bürokratie endlich gen Ausgang marschierte, war ich froh, meinen Freund in der Ferne winken zu sehen. Je näher ich kam, desto mehr Menschen sah ich aber winken und desto unsicherer wurde ich mir, ob der Tatsache wirklich meinen Freund gesehen zu haben. Nein ich will kein Taxi und nein ich will auch keine Rikscha. Endlich, mein Suchalgorithmus schlägt an.
Thiruvananthapuram
Das Wort muss einfach für sich in einer Zeile stehen! Wie sich später herausstellt, bedeutet der Name in etwa "die Stadt der heiligen Schlange". Dass ich dort lande (im wahrsten Sinne des Wortes) hat in erster Linie einen pragmatischen Grund: Ein sehr guter Freund von mir, der in Indien aufgewachsen ist (genauer:
Thiruvananthapuram
) und aktuell in Deutschland lebt, ist gerade genau dort in
Thiruvananthapuram
um seine Familie zu besuchen. Ich habe mich sehr darüber gefreut, von der Familie eingeladen zu werden, bei ihnen während meiner ersten Schnupperwoche in Indien zu wohnen. Doch dazu später mehr.
Im Flugzeug nach
Thiruvananthapuram
saß neben mir ein älteres englisches Ehepaar (very bri-ish), deren Vertrauen ich schnell dadurch gewinnen konnte, dass ich gefragt habe, ob wir nicht alle zusammen mit dem High-End Mediacenter in den Sitzen vor uns den neuen Terminator: Salvations ansehen wollen. Ihnen gefiel mein angeblich schwarzer Humor (?) und ich bekam nochmal einen Crashkurs zu Indiens Kultur. Am allerbesten sei es nämlich, jemanden dort zu kennen, der den kulturell vorherrschenden Bedingungen gewachsen und vor allem erfahren ist. Ein sogenanntes Soft Landing. Glücklicherweise stand mir ja genau das bevor.
Beim Landeanflug in
Thiruvananthapuram
kam ich mir erst einmal vor wie im Dschungel. Überall Palmen, Wasser und schmale kaum-asphaltierte Straßen. Nach dem Aussteigen prasselten mir zunächst unzählige mir unverständliche Warnhinweise entgegen, auf denen meist Frauen mit Mundschutz abgebildet waren. Die Sprache, die man in
Thiruvananthapuram
spricht, ist übrigens, wie ich damals noch nicht wusste, nicht Hindi, sieht aber ähnlich kryptisch aus. Irgendwann entdeckte ich Sinn und Zweck der Aktion in 4 Lettern: H1N1. Wenigstens schon einmal etwas, das mich an zuhause erinnert.
Als ich nach mir völlig unbegreiflicher Bürokratie endlich gen Ausgang marschierte, war ich froh, meinen Freund in der Ferne winken zu sehen. Je näher ich kam, desto mehr Menschen sah ich aber winken und desto unsicherer wurde ich mir, ob der Tatsache wirklich meinen Freund gesehen zu haben. Nein ich will kein Taxi und nein ich will auch keine Rikscha. Endlich, mein Suchalgorithmus schlägt an.
Prearrangements
Sobald das Wort "Indien" fällt, passiert in meinem Kopf meist Folgendes:
Ich habe aus Vorbereitungsgründen zwei echte Bollywood-Filme (Slumdog Millionaire zähle ich nicht dazu) angesehen, Hindi-Musik aus den 1960er-Jahren rauf und runter gehört sowie ein Bisschen im Reiseführer geblättert.
Den Versuch, einen 1000-seitigen, angeblich urspannenden Roman über das Schicksal eines Flüchtlings in Indien zu lesen, habe ich nach 200 Seiten Gefühlswirrwarr abgebrochen. Immerhin konnte ich dem allerdings entnehmen, dass man lieber seine Beine in die Hand nehme und renne, sofern man - wenn auch nur aus Versehen - einer Kuh im Straßenverkehr zu Nahe kommt.
Nachdem ich recht lange Zeit hatte, mich mental auf den Indienaufenthalt einzustimmen, ging es gegen Ende doch zügig zur Sache. So brauchte ich vor allem ein Visum und ein Flugzeug, das mich dorthin brächte (Anmerkung des Erzählers: ich habe mir aus Kostengründen das Flugzeug mit anderen Menschen geteilt). Ganz unabdingbar sollten aber auch die gesundheitlichen Vorkehrungen sein. Ich habe tatsächlich 7 Impf-Injektionen erhalten, die nicht nur meine beiden Arme außer Gefecht setzten, sondern mich meist gänzlich umgehauen haben. Man weiß ja nie, was man dort bekommen könnte, deswegen bringt man es lieber gleich schon von zuhause mit.
Höhepunkt Nummer 2 in Punkto German Angst möchte ich gerne dem Begriff Globetrotter widmen. Die Beratung dort ist in der Tat gut, fraglich ist meiner Ansicht nach nur der Realitätsfaktor. Ich bräuchte am besten mehrere Moskitonetze, imprägniert und unimprägniert (solche, die ich aber im Notfall selbst noch imprägnieren könnte) sowie in verschieden großen Ausführungen. Ganz zu schweigen von dem Hautspray, der Hautlotion und dem Verdünnungsimprägnierer für Klamotten. Da man aber im Vorhinein noch nicht wisse, wie ich auf die Chemiebombe reagieren könnte, solle ich doch am besten die Mittelchen mehrerer Hersteller mitführen. Zusätzlich zu sämtlichen Moskitonetzen vielleicht dann sogar noch ein tarnfarbenes Zelt, in dem ich mich schließlich in meinem Apartment verstecken kann. Um (große) wilde Tiere in meinem Apartment abwehren zu können, habe ich mir aus Weiterspinnung des Gedanken auch noch eine Trillerpfeife gekauft. Diese sollte mit ihrem schrillen Geräusch zumindest Tiger lähmen.
Den Gipfel aller Ängste hat sicherlich meine Mutter beschritten, indem sie mir zu Weihnachten eine Reiseapotheke geschenkt hat, die mehr Medikamente umfasst, als ich je in einer Apotheke offen herumliegen gesehen habe. Für alle Fälle. Wenn ich nämlich mehr als 5 Tage mit 40° Fieber im Bett liegen sollte, sollte ich mir ja auch schließlich was ordentliches reinhämmern können. Ich würde wahrscheinlich aus purer Naivität am dritten Tag lieber einen Arzt aufsuchen wollen...
Ich habe aus Vorbereitungsgründen zwei echte Bollywood-Filme (Slumdog Millionaire zähle ich nicht dazu) angesehen, Hindi-Musik aus den 1960er-Jahren rauf und runter gehört sowie ein Bisschen im Reiseführer geblättert.
Den Versuch, einen 1000-seitigen, angeblich urspannenden Roman über das Schicksal eines Flüchtlings in Indien zu lesen, habe ich nach 200 Seiten Gefühlswirrwarr abgebrochen. Immerhin konnte ich dem allerdings entnehmen, dass man lieber seine Beine in die Hand nehme und renne, sofern man - wenn auch nur aus Versehen - einer Kuh im Straßenverkehr zu Nahe kommt.
Nachdem ich recht lange Zeit hatte, mich mental auf den Indienaufenthalt einzustimmen, ging es gegen Ende doch zügig zur Sache. So brauchte ich vor allem ein Visum und ein Flugzeug, das mich dorthin brächte (Anmerkung des Erzählers: ich habe mir aus Kostengründen das Flugzeug mit anderen Menschen geteilt). Ganz unabdingbar sollten aber auch die gesundheitlichen Vorkehrungen sein. Ich habe tatsächlich 7 Impf-Injektionen erhalten, die nicht nur meine beiden Arme außer Gefecht setzten, sondern mich meist gänzlich umgehauen haben. Man weiß ja nie, was man dort bekommen könnte, deswegen bringt man es lieber gleich schon von zuhause mit.
Höhepunkt Nummer 2 in Punkto German Angst möchte ich gerne dem Begriff Globetrotter widmen. Die Beratung dort ist in der Tat gut, fraglich ist meiner Ansicht nach nur der Realitätsfaktor. Ich bräuchte am besten mehrere Moskitonetze, imprägniert und unimprägniert (solche, die ich aber im Notfall selbst noch imprägnieren könnte) sowie in verschieden großen Ausführungen. Ganz zu schweigen von dem Hautspray, der Hautlotion und dem Verdünnungsimprägnierer für Klamotten. Da man aber im Vorhinein noch nicht wisse, wie ich auf die Chemiebombe reagieren könnte, solle ich doch am besten die Mittelchen mehrerer Hersteller mitführen. Zusätzlich zu sämtlichen Moskitonetzen vielleicht dann sogar noch ein tarnfarbenes Zelt, in dem ich mich schließlich in meinem Apartment verstecken kann. Um (große) wilde Tiere in meinem Apartment abwehren zu können, habe ich mir aus Weiterspinnung des Gedanken auch noch eine Trillerpfeife gekauft. Diese sollte mit ihrem schrillen Geräusch zumindest Tiger lähmen.
Den Gipfel aller Ängste hat sicherlich meine Mutter beschritten, indem sie mir zu Weihnachten eine Reiseapotheke geschenkt hat, die mehr Medikamente umfasst, als ich je in einer Apotheke offen herumliegen gesehen habe. Für alle Fälle. Wenn ich nämlich mehr als 5 Tage mit 40° Fieber im Bett liegen sollte, sollte ich mir ja auch schließlich was ordentliches reinhämmern können. Ich würde wahrscheinlich aus purer Naivität am dritten Tag lieber einen Arzt aufsuchen wollen...
Hello, World
Mein Name ist Markus, ich bin zum aktuellen Zeitpunkt 22 Jahre alt und ich scheine mich irgendwie mitteilungsbedürftig zu fühlen. Der Grund: Ich habe vor, 6 Monate in Indien zu leben und Entwicklungshilfe zu leisten. Entwicklungshilfe im Bereich Software, quasi Software-Entwicklungshilfe. Mein Studium befindet sich gerade in einem Zustand, den man als vorübergehend abgeschlossen bezeichnen könnte und daher gönne ich mir nun eine selbstreflektierende Auszeit.
Meine Haar- und Augenfarbe ist gelb, ich trage das Haar meist rund. Ich bin ledig und habe keine Kinder. Sympathischer war mir immer eher die Evolution als die Religion und falls das Wort "Gott" doch in meinem aktiven Wortschatz vorhanden sein sollte, so würde ich es allerhöchstens im Singular verwenden. Ich bin sehr gespannt, inwiefern Indien an diesen Dingen rütteln kann/wird.

Wie sich mittlerweile herumgesprochen haben dürfte, möchte ich meinen intellektuellen Freiraum in Indien auch dafür nutzen, um meine Autobiografie zu verfassen. Falls ich trotz aller Arrangements doch nicht zu diesem Vorhaben kommen sollte, so möchte ich doch wenigstens diesen Blog in A4 Ausdrucken und im Kulturkaufhaus Dussmann gleich neben Jane Austen verstecken. Auf diese Weise kann ich zumindest einem nichtsahnenden Leser beibringen, dass die Welt nicht immer nur aus Hektik, Erotik und Fußpilz besteht.
Anmerkung des Erzählers: Ich möchte nicht unbedingt versuchen, den soziokulturellen Einfluss der westlichen Welt auf die indische Gesellschaft zu erläutern oder gar zu erörtern; das machen andere. Mir geht es vielmehr darum, mit Geschick zwischen dem wahren und dem erfundenen Bein zu balancieren. Ich tendiere zu maßlosen Übertreibungen, um meine generell eher im schwächeren Bereich angesiedelten Argumente zu verdramatisieren oder manchmal auch einfach nur um etwas zu erzählen. Wer alles glaubt, ist selbst Schuld!
Meine Haar- und Augenfarbe ist gelb, ich trage das Haar meist rund. Ich bin ledig und habe keine Kinder. Sympathischer war mir immer eher die Evolution als die Religion und falls das Wort "Gott" doch in meinem aktiven Wortschatz vorhanden sein sollte, so würde ich es allerhöchstens im Singular verwenden. Ich bin sehr gespannt, inwiefern Indien an diesen Dingen rütteln kann/wird.

Wie sich mittlerweile herumgesprochen haben dürfte, möchte ich meinen intellektuellen Freiraum in Indien auch dafür nutzen, um meine Autobiografie zu verfassen. Falls ich trotz aller Arrangements doch nicht zu diesem Vorhaben kommen sollte, so möchte ich doch wenigstens diesen Blog in A4 Ausdrucken und im Kulturkaufhaus Dussmann gleich neben Jane Austen verstecken. Auf diese Weise kann ich zumindest einem nichtsahnenden Leser beibringen, dass die Welt nicht immer nur aus Hektik, Erotik und Fußpilz besteht.
Anmerkung des Erzählers: Ich möchte nicht unbedingt versuchen, den soziokulturellen Einfluss der westlichen Welt auf die indische Gesellschaft zu erläutern oder gar zu erörtern; das machen andere. Mir geht es vielmehr darum, mit Geschick zwischen dem wahren und dem erfundenen Bein zu balancieren. Ich tendiere zu maßlosen Übertreibungen, um meine generell eher im schwächeren Bereich angesiedelten Argumente zu verdramatisieren oder manchmal auch einfach nur um etwas zu erzählen. Wer alles glaubt, ist selbst Schuld!
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